Mein Zugang zur Sprache
Jeder Mensch beginnt einst, sprechen zu lernen, schon bevor er spricht. Er hört seine Mitmenschen sprechen und nimmt die von denen geäußerten, von ihm vernommenen Laute auf und behält sie. Aber er vernimmt zunächst keine Worte, sondern nur Laute. Diese werden von den anderen Sprechern mit einer Nennleistung geäußert, die der sprechen lernende Mensch (anfangs zumeist als Kleinkind) nicht kennt, sondern zu erdeuten versucht. Die Laute mit Nennleistung nennen wir 'Namen'. Wird zu einem Namen etwas hinzugedacht, hinzuempfunden, bildlich hinzugefügt, hinzugewertet, wird aus alle Dem im Haupte des Hinzudenkenden ein Wort. Diesen Zusammenhang muss jeder Sprecher erst erschließen, wenn er der Sprache auf den Grund zu kommen versucht.
Das Wort und der Geist
Wie Worte werden und wie sie uns dem Geiste näher bringen.
Die Tiefe der Sprache
Wenn ein Wort wird, weil im Sprachvermögen zu einem Namen etwas hinzugedacht, hinzuempfunden, bildlich hinzugefügt und hinzugewertet wird, dann kann ein Hörer oder Leser all dies Hinzugedächt finden, wenn er in das Wort seines nächsten Sprechers hineindenkt. Dort ist die Tiefe der Sprache zu eröffenen.
Sprache und Geist
Zu dem Namen 'Geist' ist nichts Fassliches hinzuzudenken. Wenn etwas Geistliches zu einem Namen hinzugedacht oder gar hinzugebetet wird, dann muss der Hörer oder Leser des allso ge-wordenen Wortes geistempfäng-lich seien, wenn er Hinzugedächt oder Hinzugebet annähernd zu empfinden oder
es gar zu erhören wünscht.
Wort und Geist
Kein Gedanke besteht aus Geist, wenn er auch nicht aus Fleisch besteht. Wird etwas Geistliches gedacht, ist es kein Geist, doch ein Gedanke. So mag ein Wort besten Falles des Geistes Bote, dessen Zeugniss oder ein Zubringer zum Geiste seien, nicht aber "Geist". In diesem neuen Verständnisse des Wortes ist tiefere Verständnissmöglichheit der Sprache zu eröffenen.
Neuigkeiten
Columne
1. Sollte Dudens Werk geprüft, überarbeitet und berichtigt werden?
Pauschale Antwort: Ja! Ja! Ja!
Das Werk Konrad Dudens (1829 - 1911) zur deutschen Sprache ist seit der Erscheinung des
Buches namens ‚Vollständiges Orthographisch Wörterbuch der deutschen Sprache‘
am 07.07.1880 führend in der Festlegung der einheitlichen deutschen Rechtschreibung. Aber sei „Rechtschreibung“ auch zwingend selbig mit „richtiger Buchstabierung“?
Leider nicht; die „Rechtschreibung“ ist in gar manchen Fällen unrecht, ward und wird jedoch
als „für alle Sprecher verbindlich“ dictiert. Wir werden zunächst mit einigen wenigen Namen
beginnen, bevor wir weiter ausgreifen.
Zu Beginn wenden wir uns dem Namen nhd. (= „neuhochdeutsch“) ‚behren‘ zu (mhd. =
„mittelhochdeutsch“; ahd. = „althochdeutsch“). Diesen verwenden wir gemeinhin nur in der
Hauptnamen- alias Substantivbildung ‚Bahre‘ (= „Trage“) und in verfälschten Bildungen wie
beispielsweise ‚ent-behren‘ (= „nicht tragen“), ‚gebären‘ (= „austragen“) und in verwandten,
eben so verfälschten Namen und Silben, wie beispielsweise ‚-bar‘.
Der Name nhd. ‚entbehren‘ (mhd. ‚enbern‘, ahd. ‚inberan’) ist algemein geläufig; die unbe-
tonte Vorsilbe ward erst spät und fälschlich an die Vorsilbe ‚ent-‘ angelehnt, der sie jedoch
nicht entspricht. Eigentlich sollte der Name statt ‚ent-behren‘ besser ‚un-behren‘ buchstabiert werden, denn ein „Nichtbehren“ (= „Nichttragen, Nicht mit sich Führen“) ist gemeint.
Schlimmer gar ist es mit dem Namen nhd. ‚gebären‘, der so irre entstellt ward, das er so er-
scheint, als sei er mit nhd. ‚Bär‘ verwandt, was nicht der Fall ist. Auch ist kein Geschehens-
name (alias ‚Verb‘) ‚bären‘ Dieser stark gebeugte Name sollte ‚gebehren‘ buchstabiert werden, denn nach der Versammelungsvorsilbe (alias ‚Collectivierungspräfix‘) ‚ge-‘ steht der Geschehensname ‚behren‘, der uns schon oben in ‚entbehren‘ begegenete. Mitsammt der Versammelungsvorsilbe ‚ge-‘ gelangen wir zu ‚ge-behren‘ mit den stark gebeugten Gestalten ‚gebahr‘, ‚gebohren‘, darzu die Substantivbildung ‚Gebuhrt‘ sich gesellt.
Eben so verwandt mit ‚behren‘ ist die Nachsilbe ‚bahr‘, die nicht mit dem Namen ‚bar‘ zu
verwechseln ist. In vermeintlich „rechter“ Schreibung nach Duden verwenden wir die Namen
‚fruchtbar‘, ‚furchtbar‘, ‚wunderbar‘ usf. Deren Nennleistung ist als „bar jeder Frucht“, „bar
jeder Furcht“, „bar jedes Wunders“ zu denken. Wer Dies nicht meint, der möge bitte ‚frucht-
bahr‘ = „Frucht tragend oder behrend“, ‚furchtbahr‘ = „Furcht in sich tragend oder behrend“
und ‚wunderbahr‘ = „Wunder behrend oder mit sich bringend“ verwenden.
Wieso Konrad Duden so weit nicht dachte oder diese Zusammenhänge nicht bedachte, wissen wir nicht. Sein Werk bleibt genügend groß und wichtig. Jedes Falles ließen sich die genannten Namen ohne Probleme so nachbessern, wie vorgeschlagen, sodass Dudens Werk um eine Nuance besser und reicher wäre.
In der nächsten Columne befassen wir uns mit der Frage der Rechtschreibung der Namen aus fremder Sprachgestaltung wie etwa aus dem Lateinischen und Hellenischen.
Mein neuestes Buch ist erschienen, nämlich:
"Auf der Suche nach der verlorenen Sprache"
Ein Notruf geht Nachts bei der Polizei
ein: Der Eigentümer und Bewohner einer Villa meldet, dass bei ihm eingebrochen, er von Unbekannten niedergeschlagen und von denen etwas unermesslich Wertvolles gestohlen worden sei. Die Polizei rückt aus und untersucht den Fall. Aber der Bestohlene ist rätselhaft; er behauptet ernstlich, das ihm Gestohlene sei: "die Sprache"! Er meint die hohe, tiefe, wohlelaborierte Sprache der Dichter und Denker. Die zunächst erstaunten Ermitteler kommen nach und nach so wohl der eigenen Sprache als auch einer riesigen Verschwörung auf die Spur. Spannend!
ISBN 978-3-89979-379-6
www.chmoellmann.de
e-mail: [email protected]